Obst-Info Franken
Kern- und Steinobst Nr. 35 vom 05.08.2026
* Unsere Hinweise erfolgen in Zusammenarbeit mit dem Obstinformationszentrum Hiltpoltstein. In sehr späten Lagen Frankens werden die unten beschriebenen Entwicklungen/Ereignisse ggf. erst in 1 bis 2 Wochen erreicht.
Ernte von Frühsorten.
Ernte mittelfrüher Sorten.
Im Vergleich zum Vorjahr sind wir in der Vegetationsentwicklung etwa gleichauf.
Heute überwiegend sonnig bei Höchstwerten bis 32 °C. Für Donnerstag und Freitag sind Temperaturen bis 28 °C gemeldet. In den Nächten sinken die Temperaturen dann bis auf 10 bis 12 °C. Am Samstag steigen die Temperaturen allerdings dann schon wieder auf 33 °C. Es bleibt voraussichtlich an allen Tagen trocken. Bis zur Mitte der kommenden Woche ist wenig Wetteränderung in Sicht.
Kernobst
Die Ernte von Frühsorten ist im Gange. Aufgrund der hohen Nachttemperaturen leidet die Farbbildung bei manchen Sorten. Für Donnerstag und Freitag sind jetzt etwas kühlere Nächte gemeldet. Diese könnten dann Verbesserung bringen
Die Erntetermine der verschiedenen Sorten der Herbst- und Lagersorten werden wieder sehr früh liegen. Möglicherweise noch etwas früher als im Vorjahr. Bei den Herbst- und Lagersorten sollte die Situation in den nächsten Wochen daher rechtzeitig mit geeigneten Meßverfahren (Penetrometer, …) überprüft werden.
Die Festlegung des richtigen Erntezeitpunktes ist entscheidend für Geschmack, Haltbarkeit bzw. auch für das Auftreten physiologischer Probleme während der Lagerung. Aufgrund spezieller Standortgegebenheiten (Nord- oder Südhang, Hagelnetz, usw.) können die optimalen Erntetermine von Anlage zu Anlage Stärker variieren. Der optimale Erntezeitpunkt muß daher für jede Obstanlage individuell ermittelt werden.
Neben den klassischen Reifemerkmalen wie Aufhellung der Grundfarbe, Fruchtfleischfarbe, Geschmack (Grasigkeit), Stiellösbarkeit, Deckfarbenausprägung u.a. sollten vor allem die Parameter Fruchtfleischfestigkeit, Zuckergehalt und Stärkeabbau für die Reifebeurteilung herangezogen werden. Die folgende Tabelle enthält die entsprechenden Werte für die wichtigsten Apfel- und Birnensorten in unserem Gebiet. Die empfohlenen Werte gelten für Früchte, die für eine längere Lagerung bestimmt sind. Sie zeigen den Beginn (hoher
Penetrometerwert, niedriger Refraktometerwert, niedriger Stärkeabbauwert) und das Ende des Erntefensters (niedriger Penetrometerwert, hoher Refraktometerwert, hoher Stärkeabbauwert) für eine Langzeitlagerung an.
Der sog. Streifindex verknüpft die 3 genannten Merkmale. Für jede Sorte gibt es einen Optimalwert für den Erntebeginn und das Ernteende. Der höhere Reifeindex zeigt an, wann die Ernte begonnen werden kann, der niedrigere Reifeindex gibt an, wann die Ernte für die Langzeitlagerung abgeschlossen sein sollte. Später geerntete Früchte sollten dann nur noch für eine kurzzeitige Lagerung verwendet werden.
Beispiel Elstar: Erntebeginn ab einem Index von 0,3, Ernteende für Langzeitlagerung bei einem Index von 0,15.
Reifeindex nach Streif = Penetrometerwert / Stärkeabbauwert x Refraktometerwert
Für den Fall, daß nicht alle 3 Messparameter im Bereich des Erntefensters liegen, bewertet man diese am besten in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit (Penetrometerwert → Stärkeabbau → Zuckergehalt). Für den spätesten Erntetermin sollte das Minimum an Festigkeit ein entscheidendes Kriterium sein. Für den frühesten Erntebeginn sollte das Minimum des Stärkeabbaus ein entscheidendes Kriterium sein. Falls die Fruchtfleischfestigkeit einen höheren Wert aufweist als derjenige zum Beginn des Erntefensters oder ein tieferer Stärkewert vorliegt, als derjenige zum Beginn des Erntefensters, sind die Früchte noch nicht reif genug. Mit der Ernte sollte dann noch gewartet werden. Liegen umgekehrt tiefere Fruchtfleisch-festigkeitswerte vor als diejenigen am Ende des Erntefensters bzw. liegen höhere Stärkeabbauwerte vor, als diejenigen am Ende des Erntefensters, sind die Früchte zu weit in der Reife fortgeschritten und sind somit nicht mehr für eine langfristige Lagerung geeignet.
Hinsichtlich der Interpretation der hier beschriebenen Reifewerte sollte aber auch beachtet werden, daß diese zwar grundsätzlich Anhaltspunkte für den optimalen Pflücktermin geben, allerdings durch Behang, Witterung, u.a. Rahmenbedingungen zusätzlich beeinflusst werden.
So wird beispielsweise bei sehr hohem Fruchtbehang weniger Stärke eingelagert, die dann auch noch schneller abgebaut wird. Dies kann Überreife vortäuschen. Umgekehrt wird bei schwachem Behang viel Stärke in die Früchte eingelagert, die zudem langsam abgebaut wird. Dies täuscht Unreife vor. Auch die Witterung bzw. Temperatur beeinflusst den Stärkeabbau. Bei starker Hitze, knapper Wasserversorgung oder hoher Belichtung weisen die Früchte einen geringen Stärkeabbau auf, was Unreife vortäuschen kann, umgekehrt, fördern kalte Temperaturen, eine reichliche Wasserversorgung sowie wenig Licht einen stärkeren Stärkeabbau an, was Überreife vortäuschen kann.
| Sorte | Penetrometerwert* | Refratometerwert (°Brix) | Stärkeabbauwert (Skala 1 – 10) | Streifindex- Ernte- Beginn - Ende |
|---|---|---|---|---|
| Arlet | 7,0 – 8,0 | 11,5 – 12,5 | 4 - 6 | 0,15 – 0,08 |
| Baya Franconia | 7,5 – 8,5 | 12,0 - -13,0 | 4 - 6 | 0,18 – 0,10 |
| Baya Marisa | 7,0 – 8,0 | 11,0 – 12,0 | 3 – 5 | 0,24 – 0,12 |
| Berlepsch | 8,5 – 9,0 | 12,0 – 13,0 | 4 - 5 | 0,30 – 0,15 |
| Boskoop | 8,0 – 9,0 | 11,5 – 12,5 | 4 – 6 | 0,15 – 0,08 |
| Braeburn | 8,0 – 9,0 | 11,5 – 12,5 | 4 – 5 | 0,20 – 0,14 |
| Cox Orange | 7,0 – 8,0 | 11,0 – 12,0 | 4 – 6 | 0,20 – 0,08 |
| Delbarestivale | 7,0 – 7,5 | 12,0 – 14,0 | 4 – 6 | 0,15 – 0,10 |
| Diwa | 7,0 – 8,0 | 11,5 – 12,0 | 4 – 5 | 0,17 – 0,11 |
| Elstar | 7,0 – 8,0 | 11,5 – 12,5 | 2 – 3 | 0,30 – 0,15 |
| Fiesta | 7,5 – 8,5 | 11,0 – 12,0 | 4 - 6 | 0,30 – 0,15 |
| Florina | 7,0 – 8,5 | 11,5 – 13,0 | 7 – 8 | 0,08 – 0,07 |
| Freih. vo. Hallberg | 7,0 – 8,0 | 11,0 – 12,0 | 5 – 6 | 0,15 – 0,10 |
| Fuji | 8,0 – 9,0 | 12,5 – 13,5 | 7 - 9 | 0,08 – 0,04 |
| Gala | 8,0 – 9,0 | 11,5 – 12,5 | 4 – 6 | 0,16 – 0,08 |
| Gloster | 8,0 – 9,0 | 11,0 – 12,0 | 2 – 4 | 0,40 – 0,24 |
| Golden Delicious | 7,0 – 8,0 | 11,5 – 12,5 | 6 – 8 | 0,10 – 0,05 |
| Gräfin Goldach | 8,0 – 9,0 | 11,0 – 12,5 | 3 – 5 | 0,27 – 0,13 |
| Idared | 7,0 – 8,0 | 10,5 – 11,5 | 4 – 6 | 0,15 – 0,08 |
| Jonagold | 7,0 – 8,0 | 11,5 – 12,5 | 7 – 9 | 0,07 – 0,05 |
| Sorte | Penetrometerwert* | Refratometerwert (°Brix) | Stärkeabbauwert (Skala 1 – 10) | Streifindex- Ernte- Beginn - Ende |
|---|---|---|---|---|
| Mairac | 8,0 – 10,0 | 11,5 – 13,0 | 4 – 6 | 0,22 – 0,09 |
| Natyra | 7,5 – 8,5 | 13,0 – 14,5 | 4 – 6 | 0,22 – 0,09 |
| Pinova | 8,0 – 9,0 | 13,0 – 15,0 | 4 - 6 | 0,13 – 0,09 |
| Rubinella | 9,0 – 10,0 | 12,0 – 14,0 | 3 – 6 | 0,28 – 0,11 |
| Rubinette | 7,0 – 8,0 | 12,5 – 13,5 | 4 – 5 | 0,15 – 0,12 |
| Santana | 6,5 – 7,5 | 10,5 – 11,5 | 2 - 3 | 0,30 – 0,20 |
| Sonnenglanz | 8,5 – 9,5 | 12,0 – 13,0 | 6 – 8 | 0,13 – 0,08 |
| Topaz | 7,0 – 8,0 | 11,5 – 12,5 | 4 – 6 | 0,15 – 0,10 |
| Wellant | 7,0 – 8,0 | 11,5 – 12,5 | 4 - 6 | 0,15 – 0,08 |
| Alexander Lucas | 6,0 – 7,0 | 10,0 – 12,0 | 4 – 6 | 0,18 – 0,08 |
| Concorde | 6,0 - 7,0 | 12,0 - 13,5 | 4 – 6 | 0,15 – 0,07 |
| Conference | 6,0 – 7,0 | 11,5 – 13,0 | 4 – 6 | 0,15 – 0,08 |
| Gellerts | 5,0 – 6,0 | 11,0 – 13,0 | 5 – 6 | 0,11 – 0,06 |
| Gute Luise | 6,5 – 7,5 | 12,0 – 13,0 | 4 – 6 | 0,11 – 0,09 |
| Vereinsdechants | 5,0 – 6,0 | 12,0 – 13,5 | 7 – 8 | 0,07 - 0,05 |
| Williams | 7,0 – 8,0 | 10,0 – 12,0 | 4 – 6 | 0,20 – 0,10 |
| Xenia | 5,5 – 6,0 | 11,0 – 13,0 | 4 - 6 | 0,11 – 0,08 |
*Werte bei Äpfeln gemessen mit großem Stempel in kg/cm² (11 mm), bei Birnen gemessen mit kleinem Stempel (8 mm) in kg/0,5 cm²
Der Flug des Apfelwicklers ist weiterhin anhaltend und auf mittelstarkem Niveau. Bekämpfungsmöglichkeiten gegen Apfelwickler, Lagerkrankheiten und Vorerntefruchtfall s. Obst-Info Nr. 32 / 33.
Steinobst
In dieser Woche können Sorten wie ‘Topfive‘ und ‘Dabrovice‘ beerntet werden.
Früchte rechtzeitig, bei noch ausreichender Festigkeit, aber nicht total hart und unreif pflücken!
Zum richtigen Reifezeitpunkt sind die Früchte vollständig blau gefärbt und lassen sich leicht drücken.
Der Flug der zweiten Generation des Pflaumenwicklers ist weiterhin anhaltend. Auf ausreichenden Schutz achten!
Hinweise zur Bekämpfung von Pflaumenwickler, Fruchtmonilia und Zwetschgenrost s. Obst-Info Nr. 32 / 33.
Soweit nicht anders erwähnt, beziehen sich die genannten Mittelmengen auf l bzw. kg pro ha und 1 m Kronenhöhe.
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